Förderverein Freibad Gräfenberg

Historie

Der große Knall

Bereits seit Anfang der 90’ger Jahre war das Gräfenberger Freibad stark sanierungsbedürftig. Ähnlich erging und ergeht es noch heute den meisten Bädern in der Umgebung. Gößweinstein schloss sein Bad und eröffnete es Jahre später mit einer Minimallösung als Naturbad wieder. Neunkirchen am Brand baute sein Freibad von 2016 bis 2017 komplett um. Das Freibad in Ebermannstadt wurde privatisiert. In Forchheim wurde das Freibad in ein Ganzjahresbad umgebaut, nach 10 Jahren sind die Wände auf Grund von Fehlplanungen feucht und das Bad erwirtschaftet jedes Jahr über eine Millionen Euro Verlust. Streitberg, Egloffstein und Gräfenberg sind bis heute sanierungsbedürftig.

Das Kinderbecken 2015 – also kurz vor der Schließung des Bades

Im Frühjahr 2016 wollte die Stadt Gräfenberg die Sanierung des Kinderbeckens angehen, dazu wurde das Gesundheitsamt zu einem Ortstermin eingeladen. Am Ende dessen stand eine lange Mängelliste und die vorläufige Schließung des Bades kurz vor Saisonbeginn.

Demonstration gegen die Schließung im Freibad. Die Gräfenberger Bevölkerung erschien zahlreich um ihren Unmut kund zu tun. Auch der bayerische Rundfunk berichtete damals.
 

Die Schließung des Bades führte zu erheblichem Unmut der Gräfenberger Bevölkerung und auch zu einer Demonstration im Bad. In einer Krisensitzung des Fördervereins wurden kurz nach der Schließung Notfallmaßnahmen diskuttiert. Aus der vereinten Anstrengung von Bürgermeister Nekolla, Förderverein und Stadträten entstand ein Plan der einen ersten Schritt (eine Wasseraufbereitungsanlage) der ohnehin notwendigen Sanierung vorwegnahm. Vor dem Beschluss im Stadtrat demonstrierte die Gräfenberger Bevölkerung vor dem Rathaus für den Erhalt des Bades. Im darauffolgenden Sommer wurde das Bad von der Stadt und dem Förderverein (der erhebliche Eigenleistungen einbrachte) wieder fit für aktuelle Standards gemacht und konnte ab 2017 vorläufig wieder betrieben werden.

Bauarbeiten an der Bodenplatte der Wasseraufbereitung.
Helfer des Fördervereins bei Bauarbeiten 2016.
2017 wurde das Bad mit Feuerwerk wieder eröffnet. Dennoch ist der Erhalt nach wie vor nicht gesichert, die finanziellen Mittel der Stadt reichen für eine Sanierung des Bades nicht aus. Nach wie vor erhofft sich die Stadt Fördergelder vom Freistaat Bayern. So dass von den örtlichen Parteien auch politische Vertreter aus dem Landtag nach Gräfenberg geladen wurden um über eine mögliche Förderung zu diskutieren und Druck auf die Politik zu machen. So wurde das Bad von Klaus Adelt (SPD), Jürgen Mistol (Grüne) und Thorsten Glauber (Freie Wähler) besucht. 2019 gab die CSU dem Druck der Opposition nach und bewilligte ein Förderprogramm für Schwimmbäder, es besteht also Hoffnung und dazu dürfte auch der Kampf der Gräfenberger Bürger um ihr Bad beigetragen haben.
 

 

Als in den 90’ger Jahren der Sanierungsbedarf des Freibades immer offensichtlicher wurde, hoben im März 1996 Gräfenberger Bürger den Förderverein aus der Taufe. Auch die Attraktivität des Bades wollte dieser steifern und so entstanden auf dessen Initiative bald eine neue Dusche, ein Sandkasten und eine neue Edelstahlrutsche.

Auch das jährliche Freibadfest wurde vom Förderverein eingeführt und nimmt inzwischen einen festen Platz im Gräfenberger Festkalender ein.

Die Anfänge des Freibades

 

Von Gerhard Gundelfinger, anlässlich des 60-jährigen Bestehens des Freibads im Jahr 1998 (vollständiger Flyer).

Baubeginn_1937

Das Gräfenberger Schwimmbad ist sicherlich eines der „dienstältesten“ im Landkreis und hat sein Aussehen im Vergleich zur ursprungliehen Konzeption bis heute kaum verändert. Mit dem Bau des 50 mal 20 Meter großen Beckens  wurde vor nunmehr 60 Jahren im Sommer 1937 begonnen. Damals waren schräge Wände noch recht gebräuchlich, um den Erdaushub zu verringen und somit Beton zu sparen. Bereits im Mai 1938 war das Bad fertiggestellt und stand der Bevölkerung zur Verfügung. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 30.000 Reichsmark.


Belastung

Anfangs  beschränkte sich der Badebetrieb fast ausschließlich auf das durch einen Holzbalken abgetrennte Nichtschwimmerbecken, da mangels Gelegenheit nur wenige der Einheimischen die „Kunst des Schwimmens“ beherrschten. Doch besonders die Jugend hatte schnell den Dreh heraus und die ersten Mutigen wagten sich – von vielen bestaunt – schon nach kurzer Zeit in das tiefere Wasser unterhalb des Sprungturms. Wer aber gar noch die Tollkühnheit besaß, dort hinaufzusteigen und sich vom Dreimeterbrett mit einem „Köpfer“ in die Tiefe zu stürzen, der konnte sich der Bewunderung durch die übrigen Badegäste sicher sein.

Freibad_Winter

Der eiserne Sprungturm ist inzwischen längst verschrottet. Für Mutproben eignen sich heute lediglich die meist recht niedrigen Wassertemperaturen. Wegen der ungünstigen Lage zwischen zwei Anhöhen ist die Sonne nur bei längeren Schönwetterperioden in der Lage, das relativ kalte Quellwasser auf annehmbare Celsiusgrade zu bringen.

Andrang

Ideal für die Befüllung des Schwimmbeckens, wenn auch ungeeignet für den vorgesehenen Zweck der Trinkwasserversorgung wäre das wesentlich wärmere Wasser einer vor 30 Jahren südlich der Stadt niedergebrachten Tiefbohrung gewesen. Aber leider war die Entfernung zu groß und andererseits für einen Badneubau in dieser bedeutend günstigeren Lage kein Geld vorhanden.


Zuschauer

Auch heute noch wird die notwendige Modernisierung durch die finanzielle Situation verhindert. Dabei sollte im Rahmen des Ausbaus der Egloffsteiner Straße auch  an die Neugestaltung des früher so beliebten und von schattenspendenden Linden umsäumten Fußweges zum Schwimmbad unterhalb des Scheunenviertel gedacht werden.
In alten Zeiten begnügten sich die Gräfenberger Bürger mit einem gelegentlichen Besuch des meist nur samstags geöffneten Badhauses. Dort  wurde an den Badetagen das Bachwasser über ein eigenes Wehr in große Bottiche geleitet und mit Holzfeuer erwärmt.


Alte-Ansicht

 

Die Anfänge Gräfenberger Badekultur

Bereits Mitte des vorigen Jahrhunderts war der damals recht revolutionär anmutende Wunsch nach einer offiziell geduldeten Bademöglichkeit im Freien immer häufiger zu vernehmen. Dieser Gedanke erhielt neuen Auftrieb durch einen königlichen Erlaß aus dem Jahre 1857, der die Errichtung von Badeanstalten bzw. die Verwirklichung von Bademöglichkeiten aus Gründen der Gesundheitsförderung, insbesondere auch für die Landgemeinden, empfahl. Den Verantwortlichen wurde allerdings nahegelegt, streng darauf zu achten, „daß die Erwachsenen den Knaben und Mädchen in Bezug auf Schamhaftigkeit mit gutem Beispiel vorangehen.“

Es dauerte aber noch bis 1892, ehe sich in Gräfenberg 45 honorige  Bürger zusammenfanden und der damaligen Gepflogenheit entsprechend einen Badeverein gründeten.

Hierzu wurde der Weiher an der alten Bayreuther Straße gepachtet und an dessen Ostseite zwei Umkleidekabinen errichtet. Die Schlüssel dazu mußten beim Kaufmann Lauter abgeholt und nach einer halben Stunde Badezeit dort wieder abgeliefert werden. Für Nichtmitglieder wurde eine Gebühr von 20 Pfennigen erhoben. Kinder unter 14 Jahren  durften sich nur in Begleitung Erwachsener ins Wasser begeben. Die Badeordnung schrieb ferner vor, daß in der Zeit von 9 bis 11 Uhr sowie von 15 bis 17 Uhr das Betreten und Benützen der Badeanstalt ausschließlich den Damen vorbehalten war. Ob diese allerdings auch Gebrauch davon machten, ist nicht überliefert.

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