Historie

Von Gerhard Gundelfinger, anlässlich des 60-jährigen Bestehens des Freibads im Jahr 1998 (vollständiger Flyer).

Baubeginn_1937Das Gräfenberger Schwimmbad ist sicherlich eines der „dienstältesten“ im Landkreis und hat sein Aussehen im Vergleich zur ursprungliehen Konzeption bis heute kaum verändert. Mit dem Bau des 50 mal 20 Meter großen Beckens  wurde vor nunmehr 60 Jahren im Sommer 1937 begonnen. Damals waren schräge Wände noch recht gebräuchlich, um den Erdaushub zu verringen und somit Beton zu sparen. Bereits im Mai 1938 war das Bad fertiggestellt und stand der Bevölkerung zur Verfügung. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 30.000 Reichsmark.


Belastung

Anfangs  beschränkte sich der Badebetrieb fast ausschließlich auf das durch einen Holzbalken abgetrennte Nichtschwimmerbecken, da mangels Gelegenheit nur wenige der Einheimischen die „Kunst des Schwimmens“ beherrschten. Doch besonders die Jugend hatte schnell den Dreh heraus und die ersten Mutigen wagten sich – von vielen bestaunt – schon nach kurzer Zeit in das tiefere Wasser unterhalb des Sprungturms. Wer aber gar noch die Tollkühnheit besaß, dort hinaufzusteigen und sich vom Dreimeterbrett mit einem „Köpfer“ in die Tiefe zu stürzen, der konnte sich der Bewunderung durch die übrigen Badegäste sicher sein.


Der eiserne Sprungturm ist inzwischen längst verschrottet. Für Mutproben eignen sich heute lediglich die meist recht niedrigen Wassertemperaturen. Wegen der ungünstigen Lage zwischen zwei Anhöhen ist die Sonne nur bei längeren Schönwetterperioden in der Lage, das relativ kalte Quellwasser auf annehmbare Celsiusgrade zu bringen.

Andrang

Ideal für die Befüllung des Schwimmbeckens, wenn auch ungeeignet für den vorgesehenen Zweck der Trinkwasserversorgung wäre das wesentlich wärmere Wasser einer vor 30 Jahren südlich der Stadt niedergebrachten Tiefbohrung gewesen. Aber leider war die Entfernung zu groß und andererseits für einen Badneubau in dieser bedeutend günstigeren Lage kein Geld vorhanden.


ZuschauerAuch heute noch wird die notwendige Modernisierung durch die finanzielle Situation verhindert. Dabei sollte im Rahmen des Ausbaus der Egloffsteiner Straße auch  an die Neugestaltung des früher so beliebten und von schattenspendenden Linden umsäumten Fußweges zum Schwimmbad unterhalb des Scheunenviertel gedacht werden.
In alten Zeiten begnügten sich die Gräfenberger Bürger mit einem gelegentlichen Besuch des meist nur samstags geöffneten Badhauses. Dort  wurde an den Badetagen das Bachwasser über ein eigenes Wehr in große Bottiche geleitet und mit Holzfeuer erwärmt.


Alte-AnsichtBereits Mitte des vorigen Jahrhunderts war der damals recht revolutionär anmutende Wunsch nach einer offiziell geduldeten Bademöglichkeit im Freien immer häufiger zu vernehmen. Dieser Gedanke erhielt neuen Auftrieb durch einen königlichen Erlaß aus dem Jahre 1857, der die Errichtung von Badeanstalten bzw. die Verwirklichung von Bademöglichkeiten aus Gründen der Gesundheitsförderung, insbesondere auch für die Landgemeinden, empfahl. Den Verantwortlichen wurde allerdings nahegelegt, streng darauf zu achten, „daß die Erwachsenen den Knaben und Mädchen in Bezug auf Schamhaftigkeit mit gutem Beispiel vorangehen.“


Es dauerte aber noch bis 1892, ehe sich in Gräfenberg 45 honorige  Bürger zusammenfanden und der damaligen Gepflogenheit entsprechend einen Badeverein gründeten.

Freibad_Winter

Hierzu wurde der Weiher an der alten Bayreuther Straße gepachtet und an dessen Ostseite zwei Umkleidekabinen errichtet. Die Schlüssel dazu mußten beim Kaufmann Lauter abgeholt und nach einer halben Stunde Badezeit dort wieder abgeliefert werden. Für Nichtmitglieder wurde eine Gebühr von 20 Pfennigen erhoben. Kinder unter 14 Jahren  durften sich nur in Begleitung Erwachsener ins Wasser begeben. Die Badeordnung schrieb ferner vor, daß in der Zeit von 9 bis 11 Uhr sowie von 15 bis 17 Uhr das Betreten und Benützen der Badeanstalt ausschließlich den Damen vorbehalten war. Ob diese allerdings auch Gebrauch davon machten, ist nicht überliefert.